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Sonderfahrten "Chwarstnica" und "Stettiner Stadtrundfahrt im SN61"

Teil 3: Stettiner Stadtrundfahrt (03.03.2002)

[ Teil 1 (Stargard - Pyrzyce - Chwarstnica - Gryfino) | Teil 2 (Gryfino - Godków - Siekierki - Szczecin) ]

Text: Jörg Hänsel
Fotos: Peter Wilhelm

Vom Nabrzeze Starówka geht der Blick hinüber zum Schloß der Pommerschen Herzöge. Wie könnte eine Stettiner Stadtrundfahrt stilvoller beginnen?

Der Sonntag. Um das Tageslicht so effektiv wie möglich nutzen zu können, begann die Fahrt schon um 6.20 Uhr. Ein Verschnaufen gab es nicht, denn vorsorglich war gleich für den Kontrollanruf beim Fahrdienstleiter zu sorgen, daß es auch wirklich über Wzgorze Hetmanskie geht.
Port Centralny. Am Bulgarischen Kai (jedes Hafenbecken trägt einen fernen geographischen Namen), der zusätzlich befahren werden konnte, fand die Sonne schon ihren Weg in Richtung Altstadt-Silhouette.

Nachdem die Hafen-Extremitäten hinter uns lagen, mußten wir, um ganz am östlichen Rand des Hafenbahnhofs bleiben zu können, nach Dąbie zum Kopfmachen. Bei Wstowo dann der bange Blick nach unten: Ja, die Gleise nach Pomorzany SPBO liegen noch, wenn auch inzwischen teilweise das Vorjahresgrün die Schienenoberkante versteckte. Aber genehmigt war es, und im Telegramm stand die Rangierfahrt dorthin eindeutig drin. Doch dann die einzige Panne des Tages: Die Fahrdienstleiterin Gumieńce teilte uns mit, daß der Energiebetrieb SPBO dieses Gleis kurzerhand gesperrt hätte. Auf dem Weg nach Dołuje telefonierte Pawel mit einer ganzen Reihe Chefs des Werkes, doch vergeblich: Man mißtraute dem Zustand des Gleises. Wie wir erst später sahen: Zurecht, denn in der ersten Rechts-Kurve war das Gleis von Rieselrückständen der zahlreichen LKW, die auf einem Baufahrweg dieses Gleis überqueren, eingebettet, und wer weiß, welche Spurweite sich darunter befindet (Kommentar des Tf zum Gleiszustand: "Scheiß").

Aber zunächst galt unsere Aufmerksamkeit der Strecke nach Dołuje, denn die erlebte Endzeitstimmung wird wohl eine Abschiedsfahrt bleiben.

In Stobno wies ich die beiden deutschen Autoverfolger-Besatzungen höflich auf die Kosten eines solchen Unterfangens hin, ohne einen Preis zu verlangen (davon und von rabiaten Gegenmaßnahmen halte ich nichts), aber man hätte schon bezahlt, käme dann noch mal und müßte jetzt ganz schnell weg. Ich habe mit anderen Autoverfolgern, auch in Polen, sehr gute Erfahrungen gemacht, die neben einer Kostenbeteiligung sogar noch logistische Unterstützung (Getränke kaufen, Fahrgäste zum Bahnhof fahren) boten. Na ja, es gibt eben Eisenbahnfreunde und solche, die diesen Begriff beschmutzen. Vielleicht meldet sich ja noch einer beim Lesen dieser Zeilen.

In dieser Zeit wurde unser Rangiermanöver um die Kurve Richtung Berlin abgesprochen, die jetzt nur noch umständlich und unter lautem Knarren von Süden her bis zum ehemaligen Stellwerk 1 auf der Pasewalker Seite befahren werden kann, da die gesamte Nordseite des Bahnhofs ein Stück weiter nach Norden gerückt ist. Dann ging es über Wzgorze Hetmanskie nach Niebuszewo, wo uns der nächste Rangierer zur Fahrt nach Grabowo erwartete. Unvergeßlich bleibt mir seine Sonderform des Anlegens einer Zungensperre: Eine parat liegende Kleineisenplatte wird zwischen Schiene und Zunge gelegt (man traut den Weichen nicht mehr). Hinter dem Bahnhof wurde an der Kreuzung mit den Straßenbahngleisen durch den Rangierer eine Bahn zum Fotohalt gestoppt.

Trzebież bot uns eine echte Überraschung: In keiner Karte ist zu erkennen, daß das Gleis noch dreieinhalb Kilometer weiter in den Wald bis zu einem Tanklager geht, wo sich wie abgesprochen das Tor für uns öffnete.

Um die Kurve von Podjuchy nach Dąbie - kein Problem. Ich hatte auch Sloneczne bestellt, obwohl wir im Mai erst dort waren, aber eigentlich nur dafür, falls wir nicht auf die Chemie-Gleise gelassen werden. Das war ja auch so, aber diese Zeit war durch die Fahrt zum Bulgarienkai und durch das nun zeitaufwendige Rangiermanöver in Gumieńce schon aufgezehrt. Da aber Pomorzany SPBO nicht ging, war die Fahrt nach Sloneczne wieder möglich. So weit wie im Mai - bis Plonia - kamen wir aber nicht mehr, da kurz hinter Sloneczne unmittelbar hinter der Autobahn-Unterquerung etwa 100 m Schienen frisch geklaut waren. Die Spuren vom Schneidbrenner im Kleineisen und von den Reifen im Feldrand waren unübersehbar.

Kurz vor dem Zeigersprung um 18.00 Uhr kamen wir wieder nach Dąbie zurück und rundeten im wahrsten Sinne des Wortes den Tag über Wstowo ab. Das geduldige und fachkundige Personal hatte sich das Trinkgeld redlich verdient. Die Zusendung eines Foto-Querschnitts versteht sich von selbst (vielleicht kann ich mir das Porto sparen, denn man sieht sich hoffentlich Mitte April). Mein herzlicher Dank gilt zunächst an Pawel Plesniar für die investierte viele Freizeit und für das Ertragen und Realisieren meiner hartnäckigen Spezialwünsche. Ohne Pawel wäre dieses Wochenende nicht so gelaufen. Und nicht zuletzt bedanke ich mich nochmals bei allen Fahrgästen für die Teilnahme, für die hohe Disziplin und für die gute Stimmung.

Erster Halt im Hafen war der ehemalige Breslauer Bahnhof, der auch heute noch zumindest inoffiziell unter dem Namen Dworzec Wroclawski bekannt ist. Hier stand bereits eine SM42 zum Rangieren bereit. Unter der polnischen Stellwerksanschrift "SPD 21" finden sich auch noch die wahrscheinlich noch aus deutscher Zeit stammenden Buchstaben "Sbf".

Und noch ein schöner Blick vom Nabrzeze Starówka hinüber zu den Hakenterrassen.

Links ist unser SN61 vor einem Hafenverwaltungsgebäude zu sehen, rechts überquert er gerade die Parnica (Parnitz) auf der Fahrt vom Breslauer Gbf zum Bahnhof Port Centralny.

Am Nabrzeze Bytomska (Beuthener Kai) wird Kohle umgeschlagen. Rechts neben dem Triebwagen ist eine Waggonkippanlage zu sehen.

Auf der Reststrecke der Randower Kleinbahn entstand in Höhe des Dorfes Stobno (Stöwen) diese Aufnahme.

Hier ist der SN61-183 vor der Silhouette des Dorfes Stobno (Stöwen) zu sehen.

In Dołuje (Neuenkirchen) ist das Gleis der Randower Kleinbahn heute zu Ende. Auch der Bahnhof selbst strahlt nur noch Endzeitstimmung aus. In Gumieńce (Scheune) konnten wir die Verbindungskurve zwischen der Pasewalker und der Angermünder Strecke befahren. Hier steht der Sonderzug am Pasewalker Ende.

Hinter dem Bahnhof Szczecin Grabowo (Stettin Grabow) führt ein Anschlußgleis in die Werft Szczecin. Doch vorher wird die Straßenbahn gekreuzt.

Ein Teil des SN61-Personals stellte sich hier für die Fotografen auf. Das Tanklager westlich vor Trzebież (Ziegenort) brachte uns nicht nur durch seine pure Existenz zum Staunen, sondern auch durch die hier eingesetzten Werklokomotiven der Reihe SM30.

Und hier noch zwei Schnappschüsse vom reizvollen Nordabschnitt der Strecke Szczecin - Trzebież (Stettin - Ziegenort): links in Trzebież, rechts in Debostrów (Damuster).

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